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Liebe Leserin, lieber Leser!  | Sie spüren ihn schon, den frischen Wind? Die neue Dynamik in unserer Gesellschaft? Große Koalition heißt scheinbar nicht kleinstmögliche Schritte. Seit knappe Koalitionsmehrheiten Geschichte sind, kommt die Politik mutiger aus der Ecke. Und das sogar parteiübergreifend. Sie holt nach, was jahrzehntelang bei der Zitterpartie mit knappen Mehrheiten nicht möglich war. Oder aus Angst vor Machtverlust unterblieb. |
Doch das ist erst der Anfang. Mit dem Essen kommt der Appetit. Es überrascht eigentlich nicht, dass im vergangenen halben Jahr deutlich mehr auf den Weg gebracht wurde als man sich im Herbst noch zutraute. Die Reformforderungen werden radikaler, die Analysen offener und schonungsloser, das Operationsbesteck liegt offen auf dem Tisch. Renten, Pensionen, Gesundheit, Hartz IV-Korrekturen, Bildungsfinanzierung, Besteuerung der Reichen, der Ehen und der Unternehmen, Föderalismusreform, Einbürgerungsrecht, ....
Die Brückenschläge zwischen angeblich unversöhnlichen Standpunkten lassen sich binnen Tagen und Wochen bewerkstelligen. Man genießt es nachgerade, die ideologischen Gräben verlassen und aufeinander zugehen zu können.
Dennoch: nicht viele hatten erwartet, dass so vieles so zügig in Bewegung gerät. Kann das gut gehen? Es scheint erheblich mehr möglich als Politik und Wissenschaft für machbar oder wahrscheinlich halten. Schlüsselfaktoren hierbei sind die Bereitschaft zur Überwindung von Tabus, zum selbstkritischen Blick auf die Basisarchitektur der Gesellschaft und zum sparsameren Umgang mit Extrapolationen.
Der naturgemäß konservative Blick in den Rückspiegel ist daher wenig geeignet, um die Performanz innovativer Entwürfe zutreffend abzuschätzen. Kennzeichnend sind die derzeit drastischen Prognosekorrekturen („Aktualisierungen“) durch die führenden Wirtschaftsinstitute und andere Auguren. Sie stempeln frühere Aussagen schlicht zum Irrtum. Sie deuten auf Defekte bei den verwendeten Modellen.
Ganz ohne Schnörkel: wir befinden uns in einer Phase neuen Denkens und Handelns. Etablierte Erwartungsschablonen werden ihre Funktion einbüßen. Manches wird besser oder schlechter kommen, sehr vieles aber anders als erwartet. In den Unternehmen spielt sich genau dieses schon seit Jahren ab, mit Licht und Schatten. Vieles davon lässt sich als Reflex auf die ausgebliebenen gesellschaftlichen Erneuerungsprozesse deuten. Umso mehr dürfen wir tatsächlich erwarten, dass der beschleunigte Umbau unserer Gesellschaft (siehe oben) ungeahnte Spielräume für die Unternehmen, die wirtschaftliche Prosperität und die notwendige Verbesserung der sozialen Statik eröffnet.
Ihr Stefan Sorg
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