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Liebe Leserin, lieber Leser!  | Sauberer Sport. Das klingt wie aus einer längst vergangenen Epoche. Saubere Wirtschaft? Fairer Wettbewerb? Auch das klingt schrill in unseren Ohren... Ist das übertrieben? Nehmen Sie teil an unserem spannenden Ratespiel und versetzen Sie sich in eine kaum vorstellbare Wirtschaftswelt... Hier die Geschichte. |
Sie erlebten in diesen Tagen ein mediales Spektakel. Die (Selbst-)Demontage eines nationalen Wirtschafts-Denkmals findet in aller Öffentlichkeit statt. Wo? Wer? Die Geschichte hat viele Facetten.
Kapitel 1. Traurige Machenschaften: Ein (das?) Vorzeigeunternehmen unseres gesuchten Landes versinkt in Hiobsbotschaften über Durchsuchungen, schwarze Konten, Geldwäsche, Bestechungsvorwürfe, Verstöße gegen korrekte Unternehmensführung. Die wackere interne Task Force des Unternehmens selbst kann binnen Jahresfrist partout nicht die unscheinbaren 400 Mio. EURO finden, die der Staatsanwalt nach wenigen Stunden ortet... (S)eine kühne Hypothese: Angesichts solcher Summen können da nicht nur „Indianer“ am Werk gewesen sein.
Kapitel 2. Tolle Strategie: Erfolgreiches Geschäft wird schlicht eingekauft, unter Rang zwei oder drei im Weltmaßstab tut man´s nicht. Das Geld ist ja da. Was stagniert und noch vor wenigen Monaten „Kerngeschäft“ war, fliegt raus und wird verscherbelt. Wo bleiben Ehrgeiz, unternehmerischer Schwung, geniale Ingenieurskunst? Was ehedem Identität stiftete, findet sich auf dem Wühltisch für Heuschrecken und Schnäppchenjäger wieder. Zögerlichkeiten beim Verkauf der (mittlerweile insolventen, ehedem stolzen) Vorzeigetochter passen da nicht „gut“ ins Bild. Es geht (nur noch) ums Geld. Rette sich wer kann.
Kapitel 3. Peinliche Gier: Es darf auch die (versuchte) drastische Aufbesserung der Bezüge des Topmanagements nicht fehlen. „Nachholbedarf“ im nationalen und internationalen Vergleich. An Messlatten nachzuvollziehen? Schnee von gestern. Ein geradliniger, nachvollziehbarer Leistungsgedanke stört da nur. Nicht wenige Topkräfte reklamieren stattdessen für sich selbst lieber die vom Markt „diktierten“ phantastischen Summen. Ausgleich wofür? Stillhalteprämie, Vollstreckerlohn, Schweigegeld? Wie auch immer: es geht um Einnahmen, nicht um Verdienst.
Gibt es auch ein Kapitel 4? Ja, das ist die langjährige Praxis der Kommunikation, die das Unternehmen verinnerlicht hat: Nichts Problematisches aktiv mitteilen, nur das Unwiderlegbare einräumen. Kommunikation als schönheitschirurgischer Eingriff. Unbegreifliche Vorkommnisse. Bedauerlicher Einzelfall. Lücken im System. Sonderkommission. Ombudsman. Aber ansonsten ist alles in Ordnung... Bis zur nächsten Enthüllung. Da capo al fine. Ein kommunikatives Desaster.
Und jetzt zu unserer Preis-Frage: stammt das Unternehmen aus (a) Kasachstan, (b) Grenada oder (c) der russischen Föderation? Andere kreative Lösungen sind natürlich willkommen. Auch wenn sie wehtun. Aber neues Denken (und Handeln) fördern. Das macht sich besonders gut am Ende des Jahres...
Ihr Stefan Sorg
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