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Nach fast zwei Jahrzehnten:
Ein persönlicher Rückblick auf 6 Jahre bei der IOT
- ein Gastbeitrag von Ralf Baron, Director Arthur D. Little -

ImageEin Kommilitone – genauer gesagt einer der Stars im Theorieseminar der sozialwissenschaftlichen Fakultät an der LMU in München – spielte die Nachricht wie eine Trumpfkarte auf den Tisch. Als keiner der theoretisch Wetteifernden den Stich in der Debatte machen konnte kam er damit heraus, siegessicher. Von dem was wir blutleer als soziale Interaktion, Rolle der Institutionen, Transaktionen und so weiter typisierten, hatte er sehr praktische Vorstellungen: Integrierte Bürokommunikation – so führte er die Rede, möglich durch neue Technologien, erlaube nun die totale Neuaufstellung des Verhältnisses von Mensch, Organisation und Technik.
Die neuen Möglichkeiten, so dozierte er, ergäben sich jedoch nicht von selbst. Sie müssten mit Methode und Geschick durchgesetzt werden.
Und dann kam der Hit: Er zitierte Beispiele. Sprach von Siemens, BMW, Telenorma, Philips, sprach von Technikherstellern und Anwendern, Versicherungen und Banken. Er erzählte, wie er im Flugzeug unterwegs war, er sprach von Kunden. Wir hörten, dass er mit den Teams nächtelang durcharbeitete - und das mit Begeisterung. Denn sie präsentierten Lösungen, die bei den Kunden umgesetzt werden mussten.

Und noch etwas: Das war kein Seminar! Das war Business, denn er verdiente gutes Geld. Ich war fasziniert und wollte es genau wissen: Was war das für ein Laden, mit dem er da unterwegs war.

Schließlich rückte er damit heraus: der Laden hieß IOT und er war nicht der Boss, das musste er dann doch zugeben, sondern so eine Art Associate Consultant. Zwei Tage später saß ich bei der IOT – Vorstellungsgespräch.

Schon nach dieser ersten Stunde war aus meiner naiven Begeisterung Gewissheit geworden. Das war akademischer Anspruch, informell und cool aber konsequent ausgerichtet auf Business. Tolle Verbindung. Ich ging zum Frisör, kaufte meinen ersten Business Anzug und erlebte 6 spannende Jahre, die als Grundlage meiner professionellen Sozialisation noch heute lebendig sind.

Stefan Sorg war der intellektuelle Mentor, der scheinbar unerschöpflich Energie einbrachte. Er brachte die Dinge auf den Punkt. Mit ihm wurde "integrierte Bürokommunikation" zu einem lebendigen Ensemble. Er konnte die strategische Bedeutung der Bürokommunikation, ihre "Wertschöpfung" plastisch illustrieren. Er hatte Visionen, war methodisch anspruchsvoll. Er erregte Aufmerksamkeit. War als Redner bei den Unternehmen gefragt. Und so kamen die Aufträge herein.

Wir arbeiteten für First Class Companies. Wir hatten einen jugendlichen Spirit und Wagemut, der uns immer wieder auch gegen die Großen gewinnen ließ. Als Youngsters gingen wir ohne feuchte Hände in manchen großen Pitch und Job – aber nur weil wir sicher waren: Wenn es heiß wird, Stefan Sorg wird uns rauspauken. Wir veröffentlichten, setzten ein Seminarprogramm auf. Wir fühlten uns als und wir waren "Leading Edge".

Meine Kündigung: Noch heute läuft es mir kalt den Rücken herunter. Ich wollte gar nicht weg von der IOT. Eher aus Sportsgeist hatte ich mich bei den Vereinten Nationen in New York beworben. Keine Chance, so hatten alle gesagt.
Und dann trat ich so auf, wie ich es bei der IOT und Stefan Sorg gelernt hatte: Mutig, ja auch wagemutig, aber nie arrogant. Innovativ und neugierig aber nie abgehoben. Straight to the point – aber mit Esprit. Und so schickten sie mir das Ticket nach New York und einen Vertrag.

Stefan Sorg musste schlucken, als er mir viel Glück wünschte. Ohne die Floskel zu benutzen vermittelte er mir, dass man Reisende nicht aufhalten soll. Und er meinte es ehrlich.

Nach fünf Jahren United Nations musste ich entscheiden: "Permanent Contract" oder etwas Neues. Es kam ein Angebot von Arthur D. Little – einer der großen Internationalen Consulting Companies. Gute Adresse, Blue Chip Clients. Ich stieg 1994 ein und bin der Company und der Beratung bis heute treu geblieben. Als Director und Leiter des Düsseldorfer Büros von Arthur D. Little trage ich heute Management Mitverantwortung für das Geschäft in Zentraleuropa.

In diesen Jahren gab es viele Situation, bei Kunden und intern, in denen es um sehr viel ging. Man musste eine solide Basis haben, um da durch zu kommen.

Mit Stefan Sorg bin ich noch heute befreundet. Beruflich sind wir Wettbewerber. Ich wünsche ihm und der IOT Unternehmensberatung alles Gute und viel Erfolg.

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