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Liebe Leserin, Lieber Leser!  | Vierzig Stunden arbeiten die Menschen in Deutschland nicht immer. Aber immer öfter. Zum unveränderten Lohn. Ein aktueller, richtiger, unumkehrbarer Trend? So scheint es zumindest, wenn man die aktuelle Diskussion und auch die geschaffenen Vereinbarungen manchenorts betrachtet. Kosten senken ist das Credo. Standort sichern. Wettbewerbsfähig bleiben oder wieder werden. Das klingt logisch. |
Machen wir ein Rechenexempel. Dieselbe Arbeitsmenge erbringen künftig weniger Menschen bei sinkenden Stückkosten. Oder die bestehende Mannschaft stemmt mehr in der erweiterten Arbeitszeit. Gut, wenn das Produzierte verkauft bzw. ansonsten wertschöpfend verwertet werden kann. Schlecht, wenn diese Erwartung nicht aufgeht. Fragt sich, ob die Unternehmen mit dem 40-Stunden-Hype immer auf das richtige Spar-Pferd setzen. Das könnte zumindest für viele Bereiche der Dienstleistungs- und Administrativproduktion in Frage stehen. Provozierend gefragt: Bringen denn zwei zusätzliche Stunden Leerlauf pro Woche irgendetwas Positives? Wir wissen seit langem um die Produktivitätsdefizite im Büro. Der „Aufbruch“ kann hier nicht heißen: arbeitet weiter unproduktiv, aber länger! Der richtige Zug fährt eine andere Strecke. Richtigerweise heißt sie „ besser werden durch Reorganisation mithilfe integrierender Technologien, Verdichtung der fragmentierten, wenig harmonisierten Arbeit, Schaffung eines rationellen Arbeitsflusses.“ Dies gilt für die Produktivität am einzelnen Arbeitsplatz, erst recht aber für kollaborative Prozesse. Bei ihnen potenzieren sich die organisatorischen Defizite. Die Vernichtung unsinniger Tätigkeiten und Arbeitszeiten ist in dieser Situation angesagt. Die Schlussfolgerung. Organisatorisch-technische Reformen ermöglichen in vielen Bereichen unserer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft ein erheblich verbessertes Kosten- und Wertschöpfungsniveau. Diese Effekte schlagen den Vorteil der kostenneutralen Arbeitszeitverlängerung vergleichsweise um Längen. Nota bene: Den Arbeitsplatzabbau in Deutschland werden beide Strategien nicht wirklich aufhalten. Es geht im Ergebnis um mehr (sinnvolle) Arbeit für weniger Menschen zu reduzierten Kosten. Das ist kein Expansionsprogramm, sondern in vielen Fällen schlichte Ertragssicherung und/oder „nur“ ein Verlangsamen des Standortsterbens. Es braucht also in Deutschland auch substanzielle Wachstumserwartungen, wenn wir mehr Arbeit und Netze für künftigen Wohlstand schaffen wollen. Das klappt wahrscheinlich nur mit innovativen Ideen, veränderten Güterbewertungen und neuen Sichten auf die gesellschaftliche Arbeitsteilung. Doch das ist eine ganz andere Geschichte.... Ihr Stefan Sorg
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